Hinfahren oder nicht hinfahren – eine Frage, die wir uns in den letzten Jahren öfters gestellt haben. Die Kriegswirren in der Ukraine haben glücklicherweise nicht auf unser Projektgebiet in Ochakov übergegriffen. Unser Kontaktmann war aber beim ukrainischen Militär und unmittelbar in die Kampfhandlungen eingebunden, sodass wir eine Pause mit den Besuchen einlegten.

Als Oleg Myronenko wieder wohlbehalten nach Ochakov zurückkehrte und er uns versicherte, dass eine Reise mit keinerlei Gefahren verbunden sei, beratschlagten wir kurz und organisierten für den Herbst 2016 eine Reise in die Ukraine, um nach einem geeigneten neuen Projekt Ausschau zu halten.

Vom 06.10.2016 bis 09.10.2016 flog Rudolf Bäuml mit Martin Moder in die Ukraine. Die Begrüßung am Flughafen war riesig, denn wir hatten uns ein paar Jahre nicht gesehen und zu erzählen gab es sehr viel. Die Gespräche über ein neues mögliches Hilfsprojekt standen im Mittelpunkt. Am 07.10.2016 fuhren wir mit dem Auto nach Solonchaki.

Wiedersehen mit der Schulleiterin Elena in Solonchaki
Die Fenster der Dorfschule sind in die Jahre gekommen und lassen sich nicht mehr öffnen

 

Eine der vielen nassen Stellen im Schulgebäude – hier in der Sporthalle
Eine der undichten Stellen von außen betrachtet

Sicherlich kann sich der ein oder andere noch an das Hilfsprojekt im Jahr 2009 erinnern, als Martin Moder mit dem Fahrrad von Frankfurt am Main in die Ukraine fuhr und dort mit Spenden eine Toilettenanlage im Schulgebäude errichtet werden konnte. Genau diese Schule besuchten wir. Die Toiletten sind nach wie vor in einem hervorragenden Zustand. Allerdings sind die Fenster der Klassenräume in derartig schlechtem Zustand, dass sie schon seit Jahren nicht mehr geöffnet werden können und auch einige Scheiben gerissen beziehungsweise kaputt sind. Die Folgen hiervon bekommen die Kinder vor allem in der Winterzeit zu spüren, wenn kalter Wind durch die Klassenräume bläst und das Lernen unter solchen Bedingungen nur sehr wenig Spaß macht. Darüber hinaus ist das Dach des Schulgebäudes auch an mehreren Stellen kaputt, sodass es in die Schule hereinregnet.

So sehen die alten Fenster wirklich aus
Einige Scheiben sind gesprungen

 

Besuch bei einer Schulklasse
Unser 1. Vorsitzende bekommt ein Geschenk überreicht

 

Trainingsanzüge von Eintracht Frankfurt für die Kinder der Dorfschule
Danke Cris, danke Eintracht Frankfurt für die Spende der Trainingsanzüge

Unsere Bauleiter machten einige Vorschläge und wir berieten eine ganze Weile, bis wir uns einig waren. Die Kostenvoranschläge wurden gefertigt und nach Deutschland geschickt. Im Rahmen einer Vorstandssitzung wurden alle Details besprochen und letztlich im Rahmen der jährlichen Mitgliederversammlung wurde das Hilfsprojekt für das Jahr 2017 auch durch die Vereinsmitglieder bestätigt. Die Renovierung der Dorfschule sollte ca. 14.000,- € kosten.

Damit der Schulbetrieb nicht gestört wird, entschloss man sich mit Anbruch der Sommerferien mit der Baumaßnahme zu beginnen. Zunächst wurden alle Fenster ausgetauscht und mit Fensterbänken versehen, die keine scharfkantigen Ecken aufweisen und so die Kinder nicht verletzen können. Danach wurde das Dach an allen defekten Stellen renoviert und fachmännisch abgedichtet. Für die Bauarbeiter war es eine sehr schweißtreibende Arbeit bei sommerlichen Temperaturen von ca. 35 Grad Celsius.

Eine Woche vor Ende der Sommerferien war die Baumaßnahme abgeschlossen und das Team Martin Moder und Rudolf Bäuml machten sich erneut auf, um das Hilfsprojekt abzunehmen. Dieses Mal hatten sie besonderes Glück. Die Bauabnahme fand am ersten Schultag statt und so wurden die beiden in die Feierlichkeiten eingebunden. Der 1. Vorsitzende musste mit Schülerinnen tanzen und alle am Projekt beteiligten wurden von der Bürgermeisterin der Dorfgemeinschaft Kutsurub (Kreis Ochakov) mit einer Urkunde geehrt. Auch die Eltern waren anwesend und konnten so sehen, wer für die Renovierung der Dorfschule tatsächlich verantwortlich ist.

Ankunft in Odessa mit 80 Kilogramm Kleiderspenden
Inna, die Bürgermeisterin der Dorfgemeinschaft Kutsurub überreicht Urkunden

 

Am ersten Schultag gibt es Aufführungen der Kinder
Jedes Kind möchte ein Erinnerungsfoto mit den Helfern aus Deutschland

 

Die Erstklässler bei der Einschulung
Lehrer, Bauunternehmer, die Bürgermeisterin und die beiden Vereinsmitglieder vor der Schule

Die beiden begutachteten die Baumaßnahme und stellten fest, dass die Baufirma wieder eine hervorragende Arbeit geleistet hat. Das Dach ist für die Zukunft komplett abgedichtet und die neuen Fenster lassen sich auch problemlos öffnen und schließen, um so das Lüften der Klassenräume zu gewährleisten. Der kommende Winter kann kommen, denn die Klassenräume sind jetzt vor unangenehmer Zugluft und Kälte geschützt. Kinderherz Untermain e. V. hat zusammen mit der Baufirma Ekho und Oleg Myronenko wieder ganze Arbeit geleistet, um die Lernbedingungen der Kinder in Solonchaki erheblich zu verbessern.

Die Arbeiten am Dach der Dorfschule
DieArbeiten aus der Nähe betrachtet

 

Jetzt gibt es im ganzen Schulgebäude neue Fenster
Neue Fenster mit ordentlichen Fensterbänken

 

Stipvisite bei den Erstklässlern
Martin Moder verteilt ein paar Süßigkeiten an die Kleinen

Nach der Bauabnahme stand ein Kurzbesuch im Schulinternat auf dem Programm. Wir wollten dort wieder Kleiderspenden und zwei Sätze Fußballtrikots übergeben.

Neue Fußballtrikots für das Schulinternat in Ochakov
Wir schauen uns den Sportplatz an – vielleicht ein zukünftiges Projekt